Vor einiger Zeit durfte ich gemeinsam mit Annika während der Dresdner Winterwoche einen Workshop für die Deutsche Bahn BahnBau Gruppe gestalten. Daraus ist kein einmaliger Kontakt entstanden, sondern ein regelmäßiger Austausch, der bis heute anhält.
Seitdem kommen Teams der BahnBau Gruppe immer wieder zu Stommel Haus, um sich anzuschauen, wie wir arbeiten, wie wir lernen und wie wir Veränderungen im Unternehmen gestalten. Das Interessante daran ist, dass es bei diesen Besuchen nur selten um Holzbau geht. Natürlich sprechen wir über unsere Produktion und unsere Prozesse, aber meistens landen wir sehr schnell bei ganz anderen Themen.
Wir sprechen über das Morgentreffen, über unsere Papierfabrik, über kontinuierliche Verbesserung und über die Frage, wie man eine Unternehmenskultur entwickelt, in der Menschen Verantwortung übernehmen und sich aktiv einbringen. Viele Besucher erwarten zunächst Methoden oder Werkzeuge. Sie möchten wissen, wie bestimmte Abläufe funktionieren oder wie wir bestimmte Probleme gelöst haben. Das ist verständlich. Nach meiner Erfahrung liegt der eigentliche Wert solcher Lernreisen aber selten in den Werkzeugen.
Ein Morgentreffen ist am Ende nur ein Morgentreffen. Eine Verbesserungstafel ist zunächst nur eine Tafel. Entscheidend ist die Haltung dahinter. Warum sprechen Menschen offen über Probleme? Warum werden Fehler sichtbar gemacht, anstatt sie zu verstecken? Warum bringen Mitarbeitende Ideen ein, obwohl niemand sie dazu zwingt?
Genau diese Fragen beschäftigen uns seit vielen Jahren. Die Stommel-Haus-Akademie entstand aus der Überzeugung, dass Lernen kein Ereignis ist, sondern Teil der täglichen Arbeit sein muss. Kontinuierliche Verbesserung lebt nicht von Projekten oder Workshops, sondern davon, dass Menschen jeden Tag ein kleines Stück Verantwortung für die Weiterentwicklung ihres Arbeitsumfeldes übernehmen.
Deshalb versuchen wir während dieser Besuche auch nicht, Rezepte zu verteilen. Jede Organisation hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Rahmenbedingungen und ihre eigenen Herausforderungen. Was bei Stommel Haus funktioniert, muss nicht automatisch bei der Bahn funktionieren. Umgekehrt gilt das genauso.
Viel wichtiger ist der gemeinsame Blick auf die grundlegenden Fragen: Wie lernen Organisationen? Wie entsteht Vertrauen? Wie entwickelt man Strukturen, die Verbesserung fördern, anstatt sie auszubremsen? Und wie schafft man es, bei allen Prozessen und Kennzahlen den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren?
Ich schätze diese Gespräche sehr. Einerseits, weil wir unsere eigenen Überzeugungen immer wieder hinterfragen müssen. Andererseits, weil wir selbst bei jedem Besuch etwas Neues lernen. Gute Lernreisen funktionieren nie in nur eine Richtung. Sie leben davon, dass beide Seiten bereit sind, Erfahrungen offen zu teilen und voneinander zu lernen.
Genau deshalb freue ich mich jedes Mal, wenn die Kolleginnen und Kollegen der BahnBau Gruppe wieder bei uns zu Gast sind. Nicht weil wir ihnen zeigen können, wie man etwas richtig macht. Sondern weil wir gemeinsam darüber nachdenken können, wie gute Arbeit, gutes Handwerk und eine starke Kultur zusammenhängen.
Hier Beiträge dazu im Blog der Stommel Haus GmbH:
Vom Hochglanz in den Holzstaub: Warum echte Lernreisen keine Kopier-Veranstaltungen sind
Warum wir uns mit der Deutschen Bahn über Handwerk und Haltung austauschen


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