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  • Unser Herzschlag am Morgen: Wie ein Besuch bei Yellotools unsere Firmenkultur für immer veränderte

    Unser Herzschlag am Morgen: Wie ein Besuch bei Yellotools unsere Firmenkultur für immer veränderte

    Wer mich kennt, weiß, dass ich für das Thema kontinuierliche Verbesserung und Organisationsentwicklung im Handwerk brenne. Heute möchte ich euch auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Eine Reise zu den Wurzeln unseres täglichen Morgentreffens bei Stommel Haus – unserem heutigen Herzschlag der Firma. Ich möchte euch erzählen, wie dieses Ritual entstanden ist, warum wir es nicht einfach blind kopiert haben und wie daraus ein Netzwerk des gegenseitigen Lernens gewachsen ist.

    Der magische Klick-Moment bei Yellotools

    Alles begann vor einigen Jahren, als unser Geschäftsführer Ralf Stommel und ich spürten, dass wir uns als Organisation weiterentwickeln mussten. Wir hatten bereits viel über Lean Management gelesen und erste Impulse gesammelt. Doch Theorie ist das eine, die Praxis etwas ganz anderes. Durch einen glücklichen Zufall wurden wir auf die Firma Yellotools Ltd. in Windeck aufmerksam. Wir packten die Gelegenheit beim Schopf und fuhren hin.

    Dort trafen wir auf den Geschäftsführer Michael Althoff. Was wir in den Hallen von Yellotools erleben durften, hat uns schlichtweg umgehauen. Wir sahen keine starren Prozesse oder leere Buzzwords, sondern eine lebendige, atmende Kultur der Verbesserung. Wir erlebten ein Team, das in einem morgendlichen Ritual zusammenkam, Probleme auf Augenhöhe besprach und sofort in die Umsetzung ging. In diesem Moment haben Ralf und ich uns angesehen und wussten: Das ist es. Das brauchen wir auch.

    Adaption statt Imitation: Unser eigener Weg

    Die große Versuchung nach so einem Erlebnis ist es, in die eigene Firma zurückzukehren und alles 1:1 als Blaupause drüberzustülpen. Genau das haben wir nicht getan. Wir haben verstanden, dass wir die Grundstruktur und vor allem die Denkweise hinter dem Morgentreffen bei Yellotools adaptieren mussten, nicht aber die exakte Hülle.

    Stommel Haus ist eine Holzhaus-Manufaktur mit ganz eigenen handwerklichen Traditionen, stolzen Zimmerern und spezifischen Herausforderungen. Wir mussten den Kern der Problemlösung greifen und ihn in unsere eigene Sprache und Kultur übersetzen. Es ging nicht darum, blind ein Werkzeug zu installieren, sondern einen Raum für echte, gemeinsame Weiterentwicklung zu schaffen.

    Als wir mit unserem eigenen Morgentreffen starteten, war es anfangs holprig. Doch wir blieben beharrlich. Über die Jahre hinweg haben wir die Agenda immer weiter verfeinert. Wir haben gelernt, was für uns funktioniert und was nicht. Heute kommen jeden Morgen um 9:30 Uhr alle Kollegen – vom Lehrling bis zur Geschäftsführung, von der Produktion bis zum Außendienst – für knapp 15 Minuten zusammen. Wir feiern Erfolge, besprechen Fehler offen als Lernchancen (wir nennen das „S.O.S.“) und stellen kleine 2-Sekunden-Verbesserungen vor. Es ist der Puls, der unseren Tag taktet.

    Ein neues Mindset und agile Kraft

    Die Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter und unsere gesamte Arbeitsweise sind enorm. Das Morgentreffen hat eine Agilität in unseren Alltag gebracht, die man in einem traditionellen Handwerksbetrieb oft nicht für möglich hält. Die Kollegen haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, mutig Probleme anzusprechen, bevor sie zu Bränden werden, und sich als echte Gestalter ihres Arbeitsplatzes zu begreifen. Aus Einzelkämpfern ist ein Team geworden, das jeden Tag ein kleines Stückchen besser werden will.

    Lernen ist keine Einbahnstraße

    Das Schönste an dieser Reise ist, was in den letzten Jahren daraus entstanden ist. Inzwischen haben wir die Türen der Stommel Haus Akademie weit geöffnet. Wir dürfen regelmäßig Gäste bei uns begrüßen, die sich dieses System live anschauen wollen. Vom DAX-Konzern bis hin zum Zwei-Mann-Handwerksbetrieb – wir haben hier schon eine unglaubliche Bandbreite an Menschen stehen gehabt, die an unserem Morgentreffen teilnehmen.

    Sie kommen, um dieses besondere Gefühl der Agilität und der offenen Kommunikation selbst zu spüren. Sie suchen Inspiration, um den Funken in ihre eigenen Unternehmen zu tragen.

    Doch das Geniale daran ist: Wir sind nicht nur die Gastgeber, wir sind gleichzeitig die größten Profiteure. Jedes externe Unternehmen, das uns besucht, stellt neue Fragen. Sie hinterfragen Routinen, auf denen wir vielleicht schon wieder ein wenig betriebsblind geworden sind. Durch ihre Impulse und die Geschichten aus ihren eigenen Weiterentwicklungen partizipieren wir enorm. Es ist ein wunderbarer, branchenübergreifender Kreislauf des Lernens entstanden.

    Einen solchen Wandel anzustoßen, erfordert Mut. Aber wenn ich heute morgens in die Gesichter meiner Kollegen blicke und sehe, mit welcher Leidenschaft wir gemeinsam Probleme aus dem Weg räumen, dann weiß ich: Der Weg nach Windeck zu Michael Althoff war einer der besten, den Ralf und ich je angetreten haben.

    Habt ihr in euren Unternehmen ähnliche Rituale? Oder steht ihr noch ganz am Anfang eurer Reise? Lasst uns gerne darüber austauschen!

  • Baustelle Zukunft: Warum wir bei Stommel Haus mehr als nur Häuser bauen

    Baustelle Zukunft: Warum wir bei Stommel Haus mehr als nur Häuser bauen

    Vom Zimmerer zum Organisationsentwickler: Ein Blick hinter die Kulissen der Stommel Haus Akademie.

    Wenn mich Leute fragen, was ich bei Stommel Haus eigentlich mache, runzeln sie oft die Stirn, wenn ich antworte: „Ich sorge dafür, dass wir nicht nur Häuser bauen, sondern auch uns selbst.“

    Auf dem Papier leite ich die Stommel Haus Akademie und verantworte die Organisationsentwicklung. Aber was heißt das konkret in einem mittelständischen Handwerksunternehmen? Sitzen wir den ganzen Tag in Seminarräumen und atmen Weihrauch?

    Ganz im Gegenteil. Meine Arbeit findet dort statt, wo die Späne fliegen – und vor allem in den Köpfen dazwischen.

    Die „Lernende Organisation“ ist kein Buzzword

    Als ich 2016 hier anfing, stand ich selbst an der CNC-Maschine. Ich komme aus dem Handwerk, ich kenne den Geruch von Holz und den Druck auf der Baustelle. Genau deshalb weiß ich: Theorie, die im Büro erdacht wird, scheitert in der Halle oft an der Realität.

    Unsere Mission bei Stommel Haus war radikal einfach: Wir wollten ein Unternehmen bauen, das lernt. Nicht einmal im Jahr bei einer Fortbildung, sondern jeden Tag. Wir nennen das die „Stommel Haus Akademie“.

    Entscheidungen dort treffen, wo die Ahnung ist

    In vielen Firmen entscheidet der Chef, wie gearbeitet wird. Bei uns entscheidet derjenige, der die meiste Kompetenz für das jeweilige Problem hat. Das klingt logisch, ist aber ein harter kultureller Wandel.

    Meine Aufgabe ist es, Systeme zu schaffen, die das ermöglichen.

    • Wie müssen Informationen fließen, damit der Zimmerer an der Maschine autark entscheiden kann?
    • Wie schaffen wir eine Kultur, in der Fehler keine Katastrophen sind, sondern Lernchancen?
    • Wie verhindern wir das „Horten von Wissen“, das so viele Firmen lähmt?

    Monozukuri: Der Spirit hinter dem Handwerk

    Ein Begriff, der mich dabei leitet, ist Monozukuri. Das ist japanisch und bedeutet wörtlich „Herstellung von Dingen“. Aber eigentlich meint es viel mehr: Es ist die Haltung, mit Hingabe, Stolz und dem ständigen Drang nach Verbesserung etwas zu schaffen.

    Wir haben diese Philosophie mit dem rheinischen Pragmatismus gepaart. Das Ergebnis sind Formate wie unser tägliches Morgentreffen, 19+1 Projekttage oder der „Boxenstopp“ mit den SystemPraktikern. Ja, wir halten unsere Produktion manchmal bewusst an. Nicht, weil etwas kaputt ist, sondern um die „Säge zu schärfen“. Wir nehmen uns die Zeit, Prozesse zu hinterfragen und zu verbessern, statt blind weiterzuarbeiten.

    (Mehr dazu habe ich übrigens in diesem Artikel beschrieben: Boxenstopp in der Manufaktur)

    Warum ich das mache?

    Ich glaube fest daran: Ein Unternehmen ist keine Maschine. Es ist ein lebendiger Organismus. Wenn wir aufhören zu lernen, fangen wir an zu sterben – oder zumindest irrelevant zu werden.

    Meine Arbeit bei Stommel Haus ist der Versuch, Tradition und Innovation zu versöhnen. Mit Systemtheorie im Kopf und Sägemehl an den Schuhen.

    Willkommen in meiner „Verbesserungswelt“.

    Stephan Löttgen ist Leiter der Stommel Haus Akademie, Podcaster und „pragmatischer Generalist“. Er brennt für vitale Organisationen und vernetztes Denken.