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gelesen: Die Kultur der Reparatur von Wolfgang M. Heckl

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann hat meine Familie in den 70ziger, 80ziger und auch zu Beginn der 90ziger Jahre noch fast alles, was möglich war, selbst repariert. Ging das nicht, dann brachte man die guten Schuhe zum Schuster oder das teure Radio ins Fachgeschäft zur Reparatur. Ich kann gar nicht genau sagen, wann das umgeschlagen ist. Ich weiß nur, dass ich als Verkäufer beim Elektro-Händler Saturn, mit voller Überzeugung an diesem Prozess mitgearbeitet habe. Ja, auch ich habe gepredigt, dass „Geiz geil ist“.

„Kaufen Sie doch einfach ein neues, die Reparatur lohnt nicht.“

Blicke ich auf diese Zeit aus der jetzigen Perspektive zurück, bereue ich jedes Wort. Ich stelle mir natürlich die Frage, wie ich dazu kam?! Ich bin in meiner Jungen in einem sehr alternativen Umfeld unterwegs gewesen. Umweltschutz, Atomausstieg und Greenpeace hatten meine volle Unterstützung. Meine Berufswahl zum Zimmermann, basierte auf dem Wunsch, mit einem natürlichen Material ökologisch unbedenklich zu arbeiten. Keine Beton-Bunker bauen, sondern Holzhäuser. Doch dann hatte ich einen Unfall und musste mich beruflich umorientieren. Zu der Zeit 1999 gab es einen ganz entscheidenden Meinungsumschwung: Technik ist die Zukunft. Mit der Technik, können wir alle Probleme lösen. Es kamen die ersten Taschen-Computer in private Hände. Navigation, Software und das Internet boten uns allen schier unendliche neue Möglichkeiten. Wer nicht abgehängt werden wollte, der tat gut daran, sich mit dem Thema „Neue Medien“ auseinander zu setzten.

Für mich wurden in dem Zusammenhang die Karten neu gemischt. In der Stadt, fern von Wald und Wiesen, hatte ich keinen Zweifel daran, dass man mit dieser neuen Dimension die Welt wieder ins Gleichgewicht bringt. Das Internet ist die neue Freiheit und so können wir irgendwann alle mit Captain Piccard auf dem Raumschiff Enterprise das unendliche Weltall erforschen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich diesen Traum noch nicht beerdigt. Jedoch bin ich mir sicher, dass wir derbe vom Weg abgekommen sind.

Wir müssen in großen Konzernen produzieren, da sonst die Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren (Natürlich auch, damit der Rubel rollt). Was jedoch, wenn man statt zu produzieren, den Menschen wieder das Reparieren zurück gibt? Was, wenn man den „Produktionszwang“ zur Erhaltung der Volkswirtschaft wandelt? Was, wenn Unternehmen statt neuer Produkte die Bauteile für Reparaturen verkaufen und vorhandene Produkte weiterentwickeln? Was wenn die Kunden an ein Unternehmen gebunden werden, statt sie nach jedem defekten Gerät zu verlieren? Was, wenn dann nicht frustrierte Menschen mit riesigem Aufwand wieder beworben werden müssen?

Vor einigen Monaten, entdeckte ich das Buch „Die Kultur der Reparatur“ von Wolfgang M. Heckl. Es ist nicht nur ein Plädoyer für „Repair-Cafés“ und „Maker-Spaces“, auch das Verständnis für die Weiterentwicklung von Produkten wird in dem Buch gefördert. Keine Regierung der Welt kann die globale Industrie zum Wandel führen. Das kannst nur Du oder ich. Reparieren statt neu kaufen. Langfristig statt kurzfristig und dass alles so wie es geht. Ich habe mir, gemeinsam mit meiner Familie vorgenommen, diesen Wandel zu leben. Vor ein paar Wochen, habe ich eine tolle Outdoor-Jacke bei eBay gebraucht gekauft. Nicht nur, weil sie wie neu sehr günstig war, sondern weil sie schon hergestellt ist. Sie ist da. Warum eine neue Jacke kaufen?

Bitte verstehe diesen Artikel nicht als Aufforderung zum Konsumverzicht. Es gibt Situationen in denen das Sinn macht, in anderen wiederum nicht. Entscheidet ist selbst eine Entscheidung zu treffen. Nachdenken und handeln. Zum Abschluss möchte ich noch auf einen sehr guten Beitrag zur Kultur der Reparatur:

https://www.trendsderzukunft.de/schueler-sollen-lernen-dinge-zu-reparieren-nachhaltigkeit-als-schulfach-geplant/

gehoert: Wie Mel & Laura sich organisieren

Hier geht es zum Podcast.

Ich lese „Getting Things Done“ und das regelmäßig, da ich es als Arbeitsbuch verstehe. Täglich tüfteln meine Frau und ich an unserer Weise, den Familienalltag zu organisieren. Im Betrieb, habe ich den Spagat zwischen geplanter Arbeit im Team, wie auch der selbstorganisierten Arbeit im Rahmen der Stommel Haus Akademie zu meistern. Die Anforderungen sind so komplex, dass ich selbst seit Jahren, wie besessen an meiner Selbstorganisation arbeite. Das Ergebnis ist gut, jedoch erkenne ich die Fehlerquelle. Dinge zu kopieren ist am Anfang gut, jedoch bleibt wichtig zu verstehen, dass man das kopierte unbedingt an sich selbst anpassen kann. Davon hängt ab, ob es funktioniert, oder scheitert.

Ich habe so viele Dinge ausprobiert, dass jetzt garnichts mehr funktioniert.

Lange Zeit dachte ich, es sei wichtig, die Dinge so umzusetzen, wie sie andere tun. Was mir diese Annahme für Steine in den Lebensweg gelegt hat, dass möchte ich nicht wissen. Erst seit ein paar Jahren verstehe ich, dass es meine Version des Lebens ist, welche für mich funktioniert. Ich lese „Getting Things Done“ von David Allen so oft, da ich nicht sein System kopiere, sondern meines Verfeinern möchte. Mein Erlebtes mit seinem Erlebtem vergleiche und nachdenke, was ich vielleicht ausprobieren könnte. Das geht nicht von Heute auf Morgen, dazu braucht es Zeit. Im Jahr 2009 habe ich ca. 10 Bücher über Selbstorganisation gelesen und keines hat mich weitergebracht. Ich war verzweifelt und habe beschlossen, keines der Systeme zu nutzen. Dann habe ich intuitiv im Alltag die zuvor gelernten Dinge so angewendet, dass sie funktioniert haben. Ich habe sie angepasst und verfeinert. Als ich „Getting Things Done“ gelesen habe, War das die hochkonzentrierte Version eines Erfahrungsbericht von David Allen. Kein Allerheilmittel. Keine universale Lösung aller Probleme. Was David Allen auch nicht für sich beansprucht. Er versteht das ähnlich und rät daher die Vorschläge aus seinem Buch zu testen und selbst herauszufinden, was für einen selbst funktioniert. Daher auch ein Arbeitsbuch, ich schaue immer mal wieder, wie David es gemacht hat und manchmal passe ich meine Weise an.

Genau so, wie David Allen, sehen das scheinbar auch Melanie Raabe und Laura Kampf. Sie berichten in dieser Episode des Podcast „Raabe & Kampf„, über ihre Wege den Alltag zu organisieren. Sehr unterhaltsam und mit wirklich guten Empfehlungen, ist dieser Podcast eine tolle Ergänzung zu dem Inhalt von GTD.

Viel Spaß beim Hören und organisieren.

© 2022 Stephan Löttgen

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